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Liebe Mauerseglerfreundinnen und -freunde;
Monday, 11. January 2021 09:42
Autore: Dr. med. vet. Christiane Haupt

© DGfM



817 Segler haben wir dieses Jahr in die Klinik aufgenommen. Noch ca. 70 Mauersegler warten in Pflegestellen auf eine Übernahme, alle haben Gefiederschäden, müssen mausern oder brauchen Gefiedersanierungen, alle werden Training brauchen. Allein 300 adulte Segler haben den Weg zu uns gefunden – so viele wie noch in keinem Jahr.

Nicht nur die schiere Anzahl der Segler stellt uns dieses Jahr vor große Herausforderungen, natürlich haben auch wir mit den Folgen der Covid-19-Pandemie zu kämpfen. Noch vor Beginn der Saison 2020 mussten wir kurzfristig einen Flug zur Verfrachtung stornieren – 16 flugfertige Mauersegler mussten in der Klinik bleiben. Auch danach ging nichts mehr, die ersten Segler konnten erst im Mai von Deutschland aus starten. Das hatte zur Folge, dass etliche geschiftete, trainierte und flugbereite Mauersegler aufgegeben haben und starben. Auch die Tatsache, dass wegen Hamsterkäufen Küchenpapier Mangelware wurde, dass die für unsre Arbeit wichtigen FFP2 Masken gar nicht oder nur zu astronomischen Preisen erhältlich waren bzw. sind, dass es Lieferschwierigkeiten beim medizinischen Bedarf gab und gibt, dass Desinfektionsmittel zeitweise nicht erhältlich waren, hat unserer Arbeit für die Mauersegler Steine in den Weg gelegt und viel Kraft und Nerven gekostet.

Schon im Spätsommer war mit steigenden Infektionszahlen im Herbst und damit verbundenen Einschränkungen in ganz Europa zu rechnen. Damit waren wir gezwungen, ausländischen und deutschen Mauerseglerpflegestellen mitzuteilen, dass wir nicht in gewohnter Weise Vögel zur Gefiedersanierung und-reparatur aufnehmen können. Denn wenn wir keine flugfertigen Mauersegler in die Freiheit entlassen können, dann können wir auch keine neuen aufnehmen. Immer wenn ein Platz frei wird – wenn also ein Vogel stirbt – kann ein neuer aufgenommen werden. Unter solchen Bedingungen zu arbeiten belastet sehr. Zu wissen, dass Mauersegler, denen wir auf die Flügel helfen könnten, nun eingeschläfert werden müssen, ist eine schwere Bürde. Wir werden nicht allen, die bei uns in der Klinik überwintern, helfen können (momentan sind das 77 Mauersegler und 6 Alpensegler) und wir werden nicht alle, die auf Hilfe warten, übernehmen können. Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt dennoch – unser Zielgebiet war wenige Wochen lang kein Risikogebiet und wir konnten, allen Widrigkeiten und Problemen zum Trotz, im November und Dezember 2020 je eine Flugverfrachtung vornehmen und zu unserer großen Freude insgesamt 28 glückliche Segler im Süden in die Freiheit entlassen. Nun gibt es neue Beschränkungen, so dass über weitere Flüge Ungewissheit besteht. Aber wir werden es versuchen!

83 Segler: Das bedeutet füttern, füttern, füttern. Medizinische Versorgung. Alle 10 Tage die Vitamin-B-Injektion. Duschen und Lichttherapie. Training und „Bespaßung“. Putzen, putzen, putzen. Federn vorbereiten, Gefiedersanierungen beginnen, Vögel operieren. Warten, dass Federn geschoben werden. Hoffen, dass Vögel gesund bleiben. Trauern, wenn ein Segler aufgibt, krank wird, nicht flugfähig ist und eingeschläfert werden muss oder stirbt. Sich freuen, wenn die Physiotherapie anschlägt und ein Segler mit kräftigem und symmetrischem Flügelschlag an den Trainern vorbeizischt. Sich darum kümmern, dass Papierbestand, Spritzen, Desinfektionsmittel, Masken nicht ausgehen. Wäscheberge abarbeiten. Emails, Listen, Statistik, Bürokratie erledigen. Alles dafür tun, dass unsere Pfleglinge sicher an den Himmel kommen.

Natürlich gibt es auch Positives und Aufmunterndes zu vermelden. So haben wir zwar Mitarbeiter verloren, konnten aber auch einige neue Mauerseglerbegeisterte für die Arbeit in der Mauerseglerklinik gewinnen. Schön wäre es, wenn noch weitere zuverlässige Helfer*innen gewonnen werden könnten, - aber auch hier machen es uns die Corona-Beschränkungen schwer. Und natürlich – die Mauersegler selbst sind eine Quelle der Motivation und der Freude.

So gibt es die Geschichte von Altsegler Fortunatus und seinen Kinder Tom und Kaspar. Fortunatus wird entdeckt, als er mit einem Füßchen gefesselt vom Einflug des Nistkastens herunterbaumelt und verzweifelt um die Freiheit kämpft. Glücklicherweise kann er gut erreicht werden und kann befreit werden. Während Fortunatus sofort in die Mauerseglerklinik gefahren wird, entdecken die Mauerseglerfreunde, dass der Nistkasten vollkommen verstopft ist. Auf Anraten hin, hängen sie den Nistkasten ab, damit behutsam nachgeschaut werden kann, was in dem Kasten ist. Mittlerweile ist Fortunatus in der Klinik angekommen – und glücklicherweise unverletzt. Er darf sofort wieder starten. Die Wege von Fortunatus und seinem Nistkasten müssen sich gekreuzt haben, denn kurz nach seiner Freilassung kommt er in der Klinik an. Wirklich, der Kasten ist vollkommen zugemüllt mit Stroh, Ästchen, Schnürchen – eindeutig Nistmaterial von Spatzen - … und einem Mauerseglernest, in dem zwei Mauerseglerkinder um Futter betteln. Gerade 2 – 3 cm Platz nach oben gab es noch und es ist uns unbegreiflich, wie dort gebrütet werden konnte. Kind Nr.1, Kaspar, ist wohlgenährt und zeitgerecht entwickelt, Kind Nr. 2, Tom, ist nackt und winzig und konnte offensichtlich nur selten den Schnabel eines Brutvogels erreichen … Toms Schicksal wäre der sichere Tod gewesen. Hier zeigt sich, dass der Kasten auf der einen Seite viel zu klein für eine Seglerfamilie war, aber andererseits auch, dass Mauerseglerkästen jedes Jahr inspiziert und gereinigt werden sollten. Die Mauerseglerfreunde nehmen einen der von uns empfohlenen Kästen mit und installieren ihn am angestammten Platz. Jetzt heißt es abwarten, ob das neue Heim bezogen wird. Tom und Kaspar werden in der Mauerseglerklinik aufgezogen.

Die Saison beginnt am 27.04.2020 mit Altsegler Lucas, der am 06.05.2020 wieder in die Freiheit entlassen wird. Lucas kommt mit einem Gewicht von fast 48 Gramm – das stimmt uns froh, denn das bedeutet, dass es für die Mauersegler genügend zu fressen gibt. Schnell folgen Leonara und Garou, die ebenfalls zurück an den Himmel können, während es für Floki leider kein Happyend gibt … beim Einflug in den angestammten Nistplatz findet er diesen durch Stare besetzt vor, die ihn mit spitzen Schnäbeln schwer verletzten. Man kann es den Staren nicht vorwerfen, auch für sie werden durch Sanierungen die Brutplätze knapp. Nur ein Konzept, dass alle Gebäudebrüter berücksichtigt, kann auf Dauer zu einer Entspannung bei der Wohnungssuche unserer Gebäudebrüter führen.

Das erste Mauerseglerkind, der kleine Joffrey, kommt am 02.06.2020 im zarten Alter von 8 Tagen – und leider schon fehlernährt und geplagt. Erst am 16.06.2020 folgt Mauerseglerkind Lucas, 4 Wochen jung und sehr dünn. Lucas darf am 25.07.2020 die Freiheit erobern.

Wie immer bleiben uns vor allem die „Kämpfer“ unter den Seglern im Sinn. Vögel, für die die Freiheit oder die Rückkehr an den Himmel nicht selbstverständlich war. Vögel, die nach schweren Verletzungen wieder lernen mussten, ohne zu lahmen zu fliegen, die Runde um Runde mit Anstrengung und Zähigkeit ihre frühere Beweglichkeit versuchten zurück zu erhalten, Vögel, die immer wieder zu Boden gingen und dennoch jedesmal wieder losflogen – Vögel wie die Altvögel Heahmund oder Nero, die wochenlang Training hatten, obwohl es zunächst nicht gut für sie aussah. Und die heute hoffentlich über dem Kongobecken kreisen und leckere Insekten schnabulieren. Oder junge Segler wie Leilane, die beim ersten Flug im Trainingsraum lahmen. Seglerteenies, die genau wissen, dass ihr Leben nicht für ein Leben in Gefangenschaft geschaffen wurde und die oft lange brauchen, bis ihre Flugfähigkeit ausreichend zu sein scheint für ein Leben in Freiheit. Einen solchen Mauersegler am Startplatz auf der Hand zu halten, zu sehen, wie er registriert, dass ihn nichts mehr begrenzt und dann zu beobachten, wie ein solches Sorgenkind steil und schnell nach oben zieht, das ist Glück pur.

Wie in jedem Jahr häufen sich ab dem Spätsommer die Gefiederschäden. Viele Segler werden angemeldet, wenige können wir übernehmen, denn ob wir überhaupt werden ausreisen können, ist mehr als fraglich. Im September versuchen wir so viele „Kleinreparaturen“ wie möglich durchzuführen und (wieder) flugfähige Mauersegler noch von Frankfurt aus frei zu lassen. Ungewöhnlich früh, schon Mitte September, schließt sich das Zeitfenster wegen schlechten Wetters, die Klinik ist voll. Ein herber Rückschlag, denn wir hatten damit gerechnet, bei gutem Wetter noch bis Anfang Oktober starten zu können. Aber Segler in den Herbst rauszuschicken, wenn die Temperaturen auf dem Zugweg bereits zu niedrig sind und das Wetter zu schlecht, wie es seit Mitte September durchgehend war, wäre ein sicheres Todesurteil. Indiskutabel für uns. Wir müssen andere Wege finden. Wir beschließen mit Gefiederreparaturen und -sanierungen fortzufahren und alles daran zu setzen, im Fall einer Möglichkeit zu verfrachten diese nutzen zu können. Und damit hatten wir recht – wir konnten fliegen und hoffen auf weitere Verfrachtungen im neuen Jahr!

Nun hoffen wir, dass Sie alle im Kreise Ihrer Lieben ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest, schöne Feiertage und einen besinnlichen Jahreswechsel verbringen konnten. Wir wünschen Ihnen Hoffnung und Zuversicht, Gesundheit und Gottvertrauen für das Jahr 2021, und wir danken Ihnen für alle Hilfe, die Sie uns im vergangenen Jahr zuteilwerden ließen. Bleiben Sie bitte unseren Mauerseglern auch im kommenden Jahr gewogen – wir werden jede Hilfe brauchen in dieser ungewissen Zeit!

Es grüßen herzlich


Dr. med. vet. Christiane Haupt und das Team der Mauerseglerklinik Frankfurt sowie der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Mauersegler e. V.

Buchenstraße 9
D-65933 Frankfurt

Tel.:+49(69)35 35 15 04
Accettiamo solo rondoni!
 
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