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Liebe Mauerseglerfreundinnen und – freunde,
Monday, 24. December 2018 17:17
Autore: Dr. med. vet. Christiane Haupt
Frohe Weihnachten!

Frohe Weihnachten!



sicher warten Sie schon auf unseren jährlichen Weihnachtsbrief mit einer Rückschau auf das vergangene Jahr. 2018 fällt es uns schwer, einen fröhlichen und optimistischen Brief zu schreiben, viele Vogelschicksale bedrücken uns sehr - um so mehr, als viele Probleme von Menschen gemacht sind. Gleichzeitig können wir uns natürlich auch über Erfolge freuen. Wenn wir aber an das Leben denken, dass die Segler in Freiheit erwartet, erfüllt uns tiefe Sorge.

Auf unserem Weihnachtsfoto 2018 schauen Sie in die Augen von Malte. Malte, Brutvogel aus Dresden, ist dieses Jahr zum Sinnbild der Bedrohung von Mauerseglern durch den Menschen geworden. Aber auch zum Fanal eines Kampfes, den wir nicht aufgeben wollen. Das Haus, an dem Malte nistet, wurde mit mörderischer Taubenabwehrpaste gegen Vögel „gesichert“: eine gängige Praxis! Tödlich für jeden Vogel, der damit in Berührung kommt. Mit völlig verklebten Federn wurde Malte gefunden und zu uns geschickt. Entfernen kann man die Paste nicht. In aufwendiger OP wurden die zerstörten Federn geschiftet, Malte erhielt ein neues Gefieder. Wir erstatteten Anzeige gegen den Verursacher.

Die zuständige Behörde erteilte die Auflage, die Mörderpaste zu entfernen. Wir ließen Malte wieder frei … Zehn Tage später wurde er abermals gefunden: schlimmer verklebt denn je. Völlig verstört und traumatisiert sitzt Malte auf der Hand - er kann nicht verstehen, was ihn jäh aus einem freien Seglerleben gerissen hat. Nun blieb nur noch, alle Federn herunterzuschneiden und auf die Mauser zu warten. Viel Ärger in Dresden! - Maltes Haus sei nun sicher. Können wir darauf vertrauen? Und selbst wenn: An unzähligen anderen Gebäuden überall in Europa wird die Mörderpaste zur Todesfalle für Tauben, Sperlinge, Rotschwänze, Meisen, Mauersegler, Schwalben, Insekten… - sogar Greifvögel sind unter den Opfern, die verklebte Vögel erbeuten und sich selbst verkleben.

Auch Altsegler Kopernikus wurde zum Opfer grausamer Taubenabwehrmaßnahmen: Er spießte sich an einem Taubenabwehrspike auf und wäre qualvoll verendet, hätte nicht eine aufmerksame Anwohnerin die Feuerwehr gerufen. Der schwerverletzte Vogel konnte in der Mauerseglerklinik dank einer komplizierten OP gerettet werden. Mehr als 6 Monate dauerte es, bis Kopernikus genesen war und kürzlich auf Fuerteventura freigelassen werden konnte. Die perfiden lebensgefährlichen Spikes sieht man inzwischen überall. Warum ist es erlaubt, dass jeder Vogelhasser solche tierquälerischen Todesfallen ausbringen darf, wo immer er will?

Gleichzeitig wird der bestürzende Rückgang unserer Vögel beklagt. Bei all den Schicksalen, die wir hier tagtäglich erleben, wundern wir uns, dass es überhaupt noch Vögel gibt. Auffällig war dieses Jahr die stark gesunkene Anzahl der uns gemeldeten Mauerseglernestlinge. Dagegen stieg die Zahl der verletzt eingelieferten Altsegler eklatant. Immer weniger Seglern ist eine erfolgreiche Brut vergönnt. Immer härter werden die Kämpfe um die wenigen noch verbliebenen Nistplätze. Weiterhin wird rücksichtslos renoviert und wegsaniert, Nistplätze vernichtet, Küken eingemauert, Brutvögel vertrieben. Rabenvögel und Greifvögel profitieren: Mauersegler, die verzweifelt verschlossene Nistplätze anfliegen, sind eine leichte Beute. Noch nie bearbeiteten wir so viele Artenschutzdelikte wie in diesem Jahr: Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz sind an der Tagesordnung. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, solange der Schutz von Gebäudebrütern nicht zur gesetzlichen Vorgabe bei jedem Bauvorhaben wird. Und davon träumen wir leider nur.

Das erste Baby ist immer ein Ereignis. Kaspar, 8 Tage jung, traf am 8. Juni aus Neukirchen ein. Am 12. Juni bekam er endlich ein Geschwister: Tháis aus Worms, und am 16. Juni folgte die kleine Allie aus Schorndorf. Unsere Babyboxen füllten sich mit kleinen Federbällen. In der Saison 2018 nahm die Mauerseglerklinik 506 junge Mauersegler auf (darunter 40 aus dem Vorjahr) sowie 255 Altvögel. Ferner beherbergten wir 5 Alpensegler und 2 Fahlsegler. Von unseren 768 Patienten diesen Jahres befinden sich aktuell noch 121 in der Klinik. Seit Oktober verfrachten wir auch wieder: bereits 48 Segler wurden auf den Kanaren freigelassen, eine weitere Reise findet kurz vor Weihnachten statt. Und in Pflegestellen warten noch immer zahlreiche Mauersegler darauf, nach Frankfurt reisen zu dürfen, damit ihre Gefiedersanierung vorgenommen werden kann.

Wie Wildtiere überall in der Welt sind auch Mauersegler zunehmend Opfer menschlichen Mülls. Verletzungen und
Todesfälle durch Strangulation mit Plastikfäden häufen sich, ganze Bruten verenden in Nistplätzen, die Spatzen mit Fadenmaterial gefüllt haben, Altsegler wie auch Jungvögel verheddern und erhängen sich. Die bildschöne Altseglerin Josephine und ihr Baby Napoleon hatten Glück: Hilflos miteinander in Nylonfäden verwickelt wurden sie am Boden gefunden und gerettet. Auch für Jungsegler Wieland ging es glimpflich aus: In Plastikband verschnürt verlor er zwar einen Fuß, überlebte aber und startete einbeinig in die Freiheit. Nur wenige dieser Fälle haben ein Happy End. Es ist grotesk, dass der Mensch mit bestialischen Maßnahmen wie z.B. Klebepaste und Spikes gegen ein bisschen Vogelkot vorgeht, selbst aber den gesamten Erdball mit seinem Müll und Dreck überzieht.

Am 24. Juni nimmt die Mauerseglerklinik den 12.000sten Patienten seit ihren Anfängen auf: Altsegler Leonor! Zum Feiern bleibt keine Zeit, denn nun treffen täglich verletzte und verwaiste Findlinge ein. Parallel versorgen wir eine erhebliche Anzahl vorjähriger Segler, die geschiftet werden oder durchmausern müssen. Viele von ihnen begeistern uns später mit grandiosen Starts, einige warten derzeit noch auf ihre Verfrachtung. Als ab Anfang Juli unsere ersten flüggen Jungsegler starten, sieht man zumindest temporär mal wieder ein paar Segler am ansonsten bestürzend leeren Frankfurter Himmel. Hunderte sind hier früher geflogen, wo sind sie hin?

Dieses Jahr gibt es nicht viele Spätbruten. Am 6. August bekommen wir Baby Ayla aus Hamburg, verwaist durch ein tragisches Unglück. Ayla bricht am 11. September mit einer Gruppe anderer Jungsegler in den Süden auf. Der letzte nicht flügge Jungsegler kommt am 13. September: Segler Autumn ist 35 Tage jung und konnte auf Fuerteventura freigelassen werden. Inzwischen haben die Übernahmen aus Pflegestellen begonnen und leiten den Herbst-Winter-Marathon der Gefiedersanierungen und Verfrachtungen ein. Unsere Partner aus Rumänien treffen im Oktober ein, um das Klinikteam zu unterstützen. Internationale Besuche sind häufig geworden, wir heißen Hospitanten aus Israel, Frankreich und Belgien willkommen, diverse ausländische Center orientieren sich inzwischen an dem Protokoll der Mauerseglerklinik. Damit hat auch die Korrespondenz erhebliche Ausmaße angenommen, uns erreichen Anfragen aus aller Welt, insbesondere Fallbeurteilungen und Röntgenbilder. Und leider gleichen sich die grundsätzlichen Probleme - es ist heiß, es gibt wenige Insekten, es werden - auch unerlaubt, aber oft ungestraft - Gifte auf die Äcker und Obstplantagen ausgebracht, Gebäudesanierungen rauben den Gebäudebrütern die Nistplätze, Habitate werden vernichtet.

So wandelt sich die Arbeit der Mauerseglerklinik. Neben der Pflege, Aufzucht und Rehabilitation der Segler müssen zunehmend juristische und politische Fragen angegangen werden. Fachleute, die sich bei uns engagieren möchten, sind herzlich willkommen!

Weihnachten und Silvester wird uns nicht langweilig werden! Gemeinsam mit über 100 Seglern, die uns abends eine anfeuernde Screaming Party schenken werden, grüßen wir Sie herzlich und bedanken uns für Ihre Treue!

Wir wünschen Ihnen allen eine frohe Weihnacht und ein glückliches neues Jahr!

Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Mauersegler e. V. und das Team der Mauerseglerklinik

Buchenstraße 9
D-65933 Frankfurt

Tel.:+49(69)35 35 15 04
Accettiamo solo rondoni!
 
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