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Ein Sommernachtstraum
Friday, 20. January 2017 03:55
Autore: Dr. med. vet. Christiane Haupt
Allamina

Wann geht es los? Allamina aus Bukarest © C. Haupt

Startliste mit Kultstatus

Die Startliste hat Kultstatus. © C. Haupt

Thesia

Altsegler Thesia, entkommen aus Alcatraz! Im übertragenen Sinne … © C. Haupt

Lennox

Lennox: Zeit für's Frühstück?? © C. Haupt

Allamina & Aragorn

Allamina und Aragorn rücken dicht zusammen, - nicht immer zum Besten der Federn! © C. Haupt

Thyra

Thyra schaffte es so schnell auf die Startliste, dass es nicht mal ein professionelles Abschiedsfoto gibt, nur einen Schnappschuss! © C. Haupt

Genista

Genista (hinten) will die Welt erobern. Seine kleine Freundin Melana musste leider im kalten Deutschland bleiben - erstmal. © C. Haupt

Tamera

Tamera, die Amazone! © C. Haupt

Filarion & Tamera

Filarion (vorn), einer der ehemaligen "Struppel" von der Tierhilfe Wien, mit Gefährtin Tamera. © C. Haupt

Enno

Heimatloser Hausbesitzer! Neue Himmel warten auf Enno. © C. Haupt


Nun ist es schon anderthalb Wochen her, seit ich abermals über der Talsenke am Montana de Tindaya stand und unerwartete 14 Mauersegler in ihr Element entlassen durfte. Und wenn man hier mitternachts fiebergeschüttelt und elend im froststarren Deutschland sitzt, strahlt die Erinnerung an den unvergessenen lauen Sommertag im goldenen Fuerteventura umso schöner.

Los ging es wieder in schwärzester Nacht. Um halb vier Uhr früh jagt man keinen Hund vor die Tür. Mich selbst jage ich heroisch, weil es um das Wohl meiner Schützlinge geht. Auch am Flughafen ist man noch nicht so richtig wach. Der positive Sprengstofftest an der Kontrolle ist irgendwie ein Déjà-vue. „Schon wieder …“, konstatiere ich ergeben und fange an, meine Preziosen auf dem Edelstahltisch auszubreiten, „Soll ich die Sandwiches auswickeln?“
Nebenstehende, ebenfalls positiv befundene Mitreisende rücken ein bisschen ab, während sie nervös ihr Handgepäck entbeinen. Über Sprengstoff scherzt man nicht. „Letztes Mal waren es nämlich die Klekse der Vögel!“, erkläre ich den irritierten Beamten fröhlich. Nun, die sind es diesmal nicht. Vögel?Jedesmal will irgendein Witzbold wissen, ob die Mauersegler gezüchtet oder verkauft werden. Negativ. Ich gebe Auskünfte nach allen Seiten und versuche, die Nerven sowie alles im Auge zu behalten, insbesondere die unverkäuflichen Segler. Die Bundespolizei kontrolliert derweil stoisch Ausweis und Papiere. Wir kennen uns schon. Ein Beamter räumt schließlich ein, das niederträchtige Gerät sei sehr sensibel und könne vom Parfümflakon bis zum Haargummi alles sprengstoffpositiv bewerten, wenn es Lust dazu habe. Ich darf meinen Klimbim wieder einpacken und mich trollen. Uff. Erstmal die aufgeregten Vögel beruhigen und in die Reisebox zurücksetzen. Immerhin sind es diesmal 14, und damit reisen wir selbst für Economy-Verhältnisse sehr beengt.

Im Flugzeug findet sich zu meinem Missbehagen eine anrüchige Person älteren Baujahres neben mir ein, die intensiv nach Transpulmin, Chinesischem Tiger Balm, Japanischem Minzöl und sonstigen ätzenden Substanzen müffelt, mit denen Grippehalbtote sich einbalsamieren. Im nachhinein verdächtige ich sie, Verursacherin meiner aktuellen Influenza-Misere zu sein. Nicht umsonst hat der Herr Gemahl die Sitzreihe vor uns offenbar für sich allein gebucht und das schniefende Ehegespons nach hinten verbannt. Ich wickle mir meinen Pashmina um Mund und Nase, aber verlässlich viruzid ist das handgewebte Schmuckstück eher nicht.

Nach pfefferminzberauschtem Flug Landung auf Fuerteventura bei leichter Bewölkung. Mein 25 kg schwerer Überseekoffer donnert sogleich übers Gepäckband, vermutlich haben sie das Monster als erstes rausgeschmissen. Ab in den Mietwagen! Im Quartier angekommen ist die Putzfrau noch nicht fertig, dabei habe ich es so eilig, meine armen 14 Schützlinge aus der Enge der Reisebox zu befreien. Kaum hat sie sich zur Tür hinausgefeudelt, wird aufatmend alles eingerichtet und endlich gefüttert. Die Segler beziehen zumeist paarweise ihre Übergangsquartiere. Was für die Vorjährigen Enno aus Bielefeld und den Frankfurter Julian eine Zumutung ist: Enno war nämlich Hausbesitzer! Sein Finder lieferte ihn seinerzeit im Hamsterhäuschen an. Freiwillig verließ Enno sein Häuschen nie. Man musste anklopfen. Und ihn dann zum Füttern vorsichtig durch‘s gelüpfte Dach entnehmen. Zurück in der Box, sauste Enno sofort wieder zum Eingangsloch und verschwand. Als Partner Julian einzog, wurde es kuschelig. Nun hockte man zu zweit im Separé und wisperte konspirativ miteinander. Schwierig wurde es, als viele Monate später für beide das Schiften anstand. Doch kluge Frau baut vor: Nach Erwachen aus der Narkose fand das nun wunderschön langflügelige Pärchen statt der schäbigen Hamsterhütte einen nagelneuen Nymphensittich-Nistkasten vor! Der nach anfänglichem Misstrauen angenommen wurde. - Und nun bitter vermisst wird! Maulend verkriechen sich Enno und Julian unter einer Kuscheldecke. Das hätte ich gern für die Nachwelt festgehalten, doch meine Kamera verabschiedet sich mit einem boshaften „Akku laden!“ ins elektronische Nirwana. Und das Ladegerät liegt in Frankfurt.

Die Nacht ist saukalt, zum Glück sitzen die Segler auf Heizdecken, so dass nur ich schnattere und bibbere. Bis das Thermometer am nächsten Morgen auf schüchterne 18 Grad klettert, dauert es eine Weile. Doch die Sonne scheint, ein lauer Wind weht, und nach zwei reichlichen Fütterungen steht dem aufregenden Start nichts mehr im Wege! Frohgemut (und ich wie üblich fertig mit den Nerven …) findet sich das bewährte Trio triumphale am Startplatz unweit von La Oliva ein. Genaugenommen sind wir diesmal ein Quartett: Andrea und Pancho haben eine engagierte Praktikantin von der Finca mitgebracht. Die Startlisten werden ausgegeben. Es macht mehr Spaß, wenn jeder weiß, wer gerade startet!

Altvogel Thesia! Seit Mai 2015 hat der tapfere Segler, der durch einen Unfall sein halbes Großgefieder verlor, auf neue Federn gewartet. Anderthalb Jahre lang wuchsen keine Steuerfedern. Erst vor wenigen Wochen, endlich… Thesia hat nicht mehr an diesen Moment geglaubt. Man sieht es ihr an. Als sie sich jetzt in den Himmel schwingt, hat es etwas von dem Todesmut, der Verzweiflung und Ungläubigkeit des Lebenslänglichen, der Alcatraz entflohen ist. Und sie fliegt, sie fliegt, als habe es die endlosen 20 Monate Gefangenschaft nie gegeben…
Lennox aus Ludwigshafen, dick und fröhlich, qualifizierte sich bislang vor allem in einer Sportart: ESSEN. Egal in welcher Lebenslage. Mal sehen ob er das Essen-selber-fangen auch so toll findet! Er saust durch das Tal davon ohne einen Blick zurück. Guten Appetit, Lennox!
„Arrrrrragorrrrn!!“, schnarrt Pancho nach einem Blick auf die Startliste. Ja, jetzt sind die Rumänen an der Reihe und repräsentieren die ganze Bandbreite von Lord of the Rings. Erst der etwas zerzauste, aber windschnelle Aragorn, dann die zierliche, ungeduldige Allamina und als dritte Shooting Star Thyra, die kräftige, unbändigbare, die erst vor 5 Tagen geschiftet wurde und eigentlich noch gar nicht für diesen Flug vorgesehen war. Doch was sie uns am letzten Tag im Trainingszimmer zeigte, überzeugte für ein Last-Minute-Ticket. Alle drei schießen voller Power über die Talsenke hinweg und entschwinden in der Ferne.
Der kleine zarte Genista, einst als halbverhungertes Baby im Tierheim Wiesbaden abgegeben, ist unser Risiko-Flieger. Dachten wir jedenfalls! Als Genista souverän ins Himmelsblau steigt, fallen mir zentnerschwere Steine vom Herzen: Ich hab an den Kleinen geglaubt, und ich hatte recht! Jawoll !!!

Die prachtvolle Schönheit Tamera aus Görlitz ist Startflieger der zweiten Gruppe. Sie gleicht wahrlich einem Pfeil, unbeirrbar und rasend schnell. Ihr Gefährte Filarion, das sonnige Gemüt aus dem österreichischen Vorarlberg, folgt ihr auf dem Fuße … äh, Flügel!
Und nun …   „Enno!!“, schallt es dreistimmig von den Hügeln. Und er sitzt auf meiner Hand, der enteignete Hausbesitzer, dunkel, grimmig, - und wild entschlossen! Zögert nicht eine Sekunde, - er kennt sein neues Heim! Blau und golden, von unendlicher Weite und wilder Freiheit… Mit jubelnden Flügelschlägen lässt Enno alle Erdenschwere hinter sich und bricht auf in sein wirkliches Leben. Nur einen Moment später schicke ich ihm seinen Gefährten hinterher, den nervösen rassigen Julian, der sich in einer atemberaubenden Spirale senkrecht in die Höhe schraubt.
Nur zwei Paare warten jetzt noch in den Boxen. Der kraftstrotzende Pico aus Straubing ist der nächste, der ungeduldig durchstartet und jeden Starfighter alt aussehen lässt. Sein Freund Philipp aus Klingenberg, groß und gemütlich, steht ihm in nichts nach und legt einen wahren Altvogelstart hin. Der freundliche, liebenswerte Silas aus Frankfurt und Robbie aus Bobenheim-Roxheim, die Unzertrennlichen, steigen als Letzte dicht auf dicht in den sommerwarmen Januarhimmel empor. Silas‘ schlanke Silhouette entschwindet vor den Hängen des Montana de Tindaya, und dann, nach einer letzten Abschiedsrunde, ist auch der zutrauliche und gutmütige Robbie auf und davon. Lebt wohl, lebt wohl für immer!

Der erhabene Berg beginnt sich an unsere Freudentänze zu gewöhnen, oder er hat festgestellt, dass ein paar harmlose Narren, die wie Hans-guck-in-die-Luft herumhüpfen und mit den Armen wedeln, ihm allemal lieber sind als die bescheuerten Quad- und Motocross-Fahrer, die inzwischen fast überall rücksichtslos durch die Schutzgebiete knattern. Jedenfalls scheint der Berg heute in sehr versöhnlicher Stimmung zu sein und sich über glückliche Mauersegler zu freuen.

Und, was soll ich sagen: Wie üblich hat niemand an den Sekt gedacht!

Buchenstraße 9
D-65933 Frankfurt

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